Starten und lernen beim Einbau intelligenter Messsysteme

Starten und lernen beim Einbau intelligenter Messsysteme

Einbau intelliegentes Messsystem_Christian Kortuem

Der ostdeutsche Netzbetreiber MITNETZ STROM rät allen grundzuständigen Messstellenbetreibern, zeitnah mit dem Einbau intelligenter Messsysteme zu beginnen.

Der Smart Meter-Rollout elektrisiert die Energiewirtschaft: Seitdem das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) im Februar 2020 den Startschuss für den Einbau intelligenter Messsysteme gegeben hat, befassen sich Netzbetreiber bundesweit mit der Einführung der Smart Meter. Zu ihnen gehört unter anderem mit der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom mbh (MITNETZ STROM) der größte regionale Netzbetreiber in Ostdeutschland mit Sitz in Halle an der Saale.

MITNETZ STROM wird im Zuge des Rollouts bis 2032 rund 200.000 neue Messgeräte in ihrem Netzgebiet einbauen, im laufenden Jahr sollen zunächst die ersten 3.500 intelligenten Stromzähler eingerichtet werden. Bis 2023 will MITNETZ STROM die gesetzlich vorgeschriebene 10-Prozent-Quote – also rund 20.000 Smart Meter – erreichen.

Smart Meter Rollout Transportbox Mitnetz Strom Christan Kortuem
Das Beherrschen aller technischen Komponenten des Smart Meter-Rollouts ist eine Herausforderung. Der korrekte Umgang mit der manipulationssicheren Transportbox will gelernt sein. (Foto: Christian Kortüm)

Gute Vorbereitung zahlt sich aus

MITNETZ STROM hat sich seit Jahren intensiv auf den Smart Meter-Rollout vorbereitet. Bereits 2015 gründete das Hallenser Energieunternehmen gemeinsam mit anderen Netzbetreibern eine Anwendergemeinschaft, um die komplexen gesetzlichen, regulatorischen und technischen Anforderungen zu meistern. Aktuell zählen sich 65 ostdeutsche Netzbetreiber, darunter auch zahlreiche Stadtwerke, zu dieser Anwendergemeinschaft.

Innerhalb der Anwendergemeinschaft wurden die intelligenten Messsysteme schon vor dem offiziellen Beginn des Smart Meter-Rollouts ausgiebig getestet. Dabei wurden die Mitglieder unter anderem von Hochschulen aus der Region unterstützt. So entwickelten die Hochschulen Anhalt (Köthen) und Mittweida in enger Abstimmung mit MITNETZ STROM ein Qualitätsmanagement-System. Die Hochschule Merseburg richtete zudem ein vom Netzbetreiber unterstütztes Prüflabor ein. Auch vor Ort ansässige Start-ups wie exceeding solutions, eine Ausgliederung der Hochschule Merseburg, die inzwischen bundesweite Bekanntheit als Prüfmittel-Hersteller für intelligente Messsysteme erlangt hat, standen der Anwendergemeinschaft mit Rat und Tat zur Seite.

Einbau intelliegentes Messsystem_Christian Kortuem
MITNETZ STROM plant, im laufenden Jahr rund 3.500 intelligente Messsysteme bei Stromkunden einzubauen. (Foto: Christian Kortüm)

„Die Arbeit in der Anwendergemeinschaft ist für alle Teilnehmer ein großer Gewinn“, betont Tobias Sauer, Abteilungsleiter Prozessmanagement/Support Mess-/Zähldienste bei MITNETZ STROM. „Viele Stolpersteine beim Smart Meter-Rollout konnten dank der guten Zusammenarbeit bereits im Vorfeld aus dem Weg geräumt werden. Sehr geholfen haben uns vor allem die Praxistests, dank der wir Schwachstellen sehr schnell erkennen und beseitigen konnten.“

Erfahrungswerte sammeln beim iMsys-Einbau

Aufgrund der Praxiserfahrungen rät der Prozessmanager allen Netzbetreibern beim Einbau der intelligenten Messsysteme nicht zu warten, sondern zu starten – dabei jedoch mit kleinen Mengen zu beginnen. „Trotz klar strukturierter Prozesse gibt es beim Smart Meter-Rollout eine Lernkurve. Man kann nicht alles vordenken. Deswegen sollten Unternehmen so schnell wie möglich einsteigen, um Erfahrungswerte zu sammeln.“

Auch bei MITNETZ STROM lernen die Macher „trotz gewissenhafter Vorbereitung jeden Tag beim Smart Meter-Rollout hinzu“, so Sauer. Eine Herausforderung läge beispielweise bei der Beherrschung aller technischen Komponenten. In diesem Zusammenhang hätte sich unter anderem die Montage der Antennen und der Klemmdeckel als schwieriger als gedacht erwiesen. „Und auch der Umgang mit den Boxen, mit denen die sichere Lieferkette (SILKE) der neuen Messgeräte vom Produzenten bis zum Kunden gewährleistet wird, verlangt eine gewisse Übung“, betont Sauer. Sehr angetan zeigte sich der Prozessmanager hingegen von der Zusammenarbeit mit den Geräteherstellern: „Die technische Unterstützung ist hervorragend. Wir erhalten bei Fragen sofort eine Antwort.“

Natürlich führte auch die Corona-Krise, die zu Jahresbeginn niemand voraussehen konnte, zu Verzögerungen bei der Umsetzung. Weniger Probleme bereiteten die Endkunden, so Sauer: „Der Zutritt aufgrund möglicher Ansteckungsgefahr mit dem tückischen Virus wurde uns nur in Ausnahmefällen verweigert.“

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Regionale Start-ups wie der in Merseburg angesiedelte Prüfmittel-Spezialist exceeding solutions sind MITNETZ STROM bei der Umsetzung des Smart Meter-Rollouts behilflich. (Foto: Christian Görzel)

Dienstleister für den Smart Meter-Rollout

MITNETZ STROM sieht sich beim Smart Meter-Rollout nicht nur als Partner, sondern auch als Dienstleister für andere Netzbetreiber. Vor allem Stadtwerke machen davon Gebrauch. Bereits 50 kommunale Energieversorger in Ostdeutschland haben das Unternehmen aus Halle beauftragt, den Smart Meter-Rollout als Gateway Administrator durchzuführen. „Darin sehen wir eine Bestätigung, dass die regionale Energiewirtschaft unser Know-how auf diesem Gebiet zu schätzen weiß“, berichtet der Prozessmanager.

Darüber hinaus erweitert der Hallenser Netzbetreiber sein Dienstleistungsportfolio stetig, um Kunden bestmöglich unterstützen zu können. Jüngstes Beispiel hierfür ist das Programm Multikriterielle Optimierung (MukrO): Hier werden Mengen, Kosten und Erlöse der Einführung intelligenter Messsysteme berechnet. Darauf basierend können Netzbetreiber, so MITNETZ STROM, den Smart Meter-Rollout effizient und effektiv planen.

Blick in die Zukunft

Auch erwarten Tobias Sauer und Co. die nächste Generation der intelligenten Messsysteme, die weitere Funktionalitäten wie eine bessere Steuerung und Kontrolle des Stromnetzes durch die Netzbetreiber ermöglichen soll. Erste Prototypen wird MITNETZ STROM Ende des Jahres in einem Pilottest im sächsischen Limbach-Oberfrohna unweit von Chemnitz einbauen. Hier soll untersucht werden, welchen Beitrag intelligente Stromzähler der neuesten Generation zur Netzdienlichkeit leisten können. Konkret soll ermittelt werden, ob mithilfe der neuen Messgeräte die Auslastung des Niederspannungsnetzes exakt bestimmt und so abgeleitet werden kann, dass klar wird, ob ein Netzausbau erforderlich ist oder nicht. „Diese und viele weitere Aktivitäten belegen, dass der Smart Meter-Rollout kein Sprint, sondern ein Dauerlauf ist. Er wird uns noch lange in Atem halten“, resümiert Prozessmanager Sauer.

Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH
Tobias Sauer
tobias.sauer@mitnetz-strom.de
www.mitnetz-strom.de