Moderne Messeinrichtung – Smart gemacht

Moderne Messeinrichtung – Smart gemacht

Steuerung moderne Messeinrichtung

Mit einem IoT-Funkmodul des dänischen Anbieters Seluxit sollen auch moderne Messeinrichtungen für Mehrwertdienste nutzbar werden.

Während der Rollout intelligenter Messsysteme erst in diesem Jahr offiziell starten konnte, haben die Messstellenbetreiber bundesweit schon vor Jahren begonnen, moderne Messeinrichtungen (mME) bei den Endkunden zu verbauen. Dabei wird es für rund achtzig bis neunzig Prozent der Stromkunden in den kommenden Jahren wohl auch bleiben, denn für Verbraucher unter 6.000 kWh ohne EEG-Anlagen ist gesetzlich lediglich eine mME gefordert. Ob und in welchem Umfang intelligente Messsysteme jenseits der vorgeschriebenen Pflichteinbaufälle früher zum Einsatz kommen, bleibt abzuwarten.

Steuerung moderne Messeinrichtung
Die Lösung von Seluxit liest die Daten der modernen Messeinrichtung digital aus und nutzt diese für erweiterte Mehrwertangebote. Bild: Alexander Kirch/Shutterstock.com

„Aus Sicht des Gesetzgebers ist die mME modern, weil sie eine Schnittstelle zum Smart Meter Gateway hat und Tages-, Monats- und Jahresenergiemengen speichert. Diese Daten können die Kunden nach Freischaltung der optischen Kundenschnittstelle am Zähler mit einer Taschenlampe abrufen, wenn sie das möchten“, berichtet Daniel Lux, Geschäftsführer von Seluxit. Das Unternehmen mit Hauptsitz im dänischen Aalborg hat sich auf IoT-Lösungen für smarte Gebäude spezialisiert und war unter anderem Entwicklungspartner im MeDA-Projekt der innogy. Nun bietet Seluxit eine Lösung an, um die Daten der modernen Messeinrichtung digital auszulesen und für erweiterte Mehrwertangebote zu nutzen.

Dass Kunden im Zeitalter der Digitalisierung mit einer Taschenlampe Zählerdaten über Morselichtzeichen auslesen müssen, erscheint Daniel Lux geradezu skurril und er ist sicher, dass viele Verbraucher das ähnlich sehen. „Ich glaube, viele Kunden sind digitalen Angeboten gegenüber sehr offen – das zeigt die positive Resonanz auf entsprechende Smart Home- und Smart Energy-Applikationen. Wenn ihr Versorger solche Dienste nicht anbieten kann, weil die mME eigentlich nicht mehr kann als der alte Ferraris-Zähler, verschenkt er einfache eine Chance.“ Je nach Ausgestaltung könnten datenbasierte mobile Services zudem helfen, die Kosten des Messstellenbetreibers für die Beschaffung und Montage der mME auch jenseits der vorgegebenen Preis-Obergrenzen zu refinanzieren.

Sparrow-Funkmodul-Datenuebertragung Seluxit AS
Beispiel eines Sparrow-Funkmoduls für eine direkte Datenübertragung aus der mME. Foto: Seluxit A/S

mME aufrüsten

Mit dem von Seluxit entwickelten Funkmodul (Sparrow Modul) soll es nun möglich sein, jede mME zu einer mME+ aufzurüsten. Das Sparrow Modul unterstützt derzeit das 886 MHz-Protokoll LoRaWAN und kann damit unmittelbar in die LoRaWAN-Netze integriert werden, die sich derzeit bei vielen Stadtwerken im Aufbau befinden. Das wMBus Protokoll OMS 4.2 soll in Kürze folgen. „Die Funkprotokolle können ohne hardwareseitigen Eingriff ausgetauscht werden“, erläutert der seluxit-Geschäftsführer. So sei es möglich, eine mME+ mit LoRaWAN ins Netz zu bringen und sie zu einem späteren Zeitpunkt auf wMBus umzustellen, um sie zum Beispiel in die Infrastruktur der intelligenten Messsysteme einzubinden. Weitere Module mit den Funkprotokollen WLAN, Bluetooth, ZigBee und NB-IoT befinden sich nach Unternehmensangaben in der Entwicklung.

Technische Spezifikationen Seluxit AS
Grafik: Seluxit A/S

Datenbasierte Mehrwertdienste

Damit stehen die Verbrauchsdaten digital zur Verfügung und können – das Einverständnis des Kunden vorausgesetzt – für weitergehende mobile Services genutzt werden. „Die Verwendung dieser Daten für nicht energiewirtschaftliche Prozesse ist dem Versorger erlaubt“, ergänzt Daniel Lux. Ein bekannter Anwendungsfall sind Kunden-Apps für das Verbrauchsmonitoring, das mit intelligenten Algorithmen heute bis auf einzelne Geräte heruntergebrochen werden kann. „Für Besitzer von PV-Anlagen, Batteriespeichern und Ladelösungen kann der Versorger private Energiemanagementlösungen anbieten, ohne zusätzliche Hardware zu verbauen“, führt Lux aus. Mit intelligenten Simulationstools lasse sich überprüfen, ob sich bestimmte Tarife oder Anschaffungen für die individuelle Verbrauchssituation lohnen. Auch Überwachungs- und Warnfunktionen lassen sich auf Grundlage der digitalen Verbrauchsdaten problemlos implementieren und dem Kunden als Service anbieten.

Aktuell müssen die mME vor dem Einbau mit dem Funkmodul ausgerüstet werden, was nach Auskunft von Seluxit technisch problemlos möglich sei. Parallel arbeitet der Hersteller an externen Auslesemodulen für diverse Zählerschnittstellen. „Damit kann dann auch eine bereits installierte mME nachträglich zu einer mME+ aufgerüstet werden. Ideal geeignet wären Zähler mit der vom FNN definierten DI4U Schnittstelle“, sagt Daniel Lux.

Vorbereitung auf das intelligente Messsystem

In einem Punkt lässt der Seluxit-Geschäftsführer keine Zweifel aufkommen: „Unsere Technologie zielt nicht darauf ab, das intelligente Messsystem zu ersetzen!“ Ganz im Gegenteil sei die Lösung darauf ausgerichtet, den Verbraucher zu überzeugen, dass ein iMSys für ihn sinnvoll und wirtschaftlich ist. Intelligente Mehrwertdienste, so Lux, könnten dabei enorm hilfreich sein. Netz- und Messstellenbetreiber könnten durch die smarte mME stranded investments auf der Zählerseite vermeiden und bekämen mit diesem Zähler neue Möglichkeiten zur langfristigen Wertschöpfung, Prozessoptimierung und Kundenbindung.

Seluxit A/S
Daniel Lux
daniel@seluxit.com
www.seluxit.com