Interview zum Smart Metering: „Die Stadtwerke sind bereit“

Interview zum Smart Metering: „Die Stadtwerke sind bereit“

Peter Hornfischer Geschaeftsfuehrer Thuega SmartService GmbH

Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende mit den entsprechenden Änderungen im Messstellenbetriebsgesetz ist seit vier Jahren in Kraft – das Thema Smart Metering beschäftigt die Branche allerdings schon deutlich länger. Über die Entwicklungen in dieser Zeit sprachen wir mit Peter Hornfischer, Geschäftsführer der Thüga SmartService GmbH.

Herr Hornfischer, wir hat sich Ihr Unternehmen in diesem Zeitraum positioniert – und weiterentwickelt?

Die Thüga SmartService (TSG) beschäftigt sich seit über zehn Jahren intensiv mit dem Rollout. Wir haben den Prozess konstruktiv begleitet, in dem wir unsere Expertise in entsprechende Branchenarbeitskreise eingebracht und so aktiv mitgestaltet haben. Und natürlich war diese Zeit mit einer großen Lernkurve für uns verbunden. Wir haben sukzessive unsere Expertise auf- und ausgebaut. In über 80 Smart Meter Pilotprojekten haben wir sämtliche Anwendungsfälle erprobt, unser Wissen in Entwicklungskooperationen mit Herstellern einfließen lassen und ein wirtschaftliches, sicheres und gesetzeskonformes Lösungspaket für Stadtwerke entwickelt, auf das bereits über 100 Messstellenbetreiber in- und außerhalb der Thüga-Gruppe vertrauen.

Wie bewerten Sie aus Anbietersicht den langen Vorlauf? Was war schwierig, was vielleicht sogar hilfreich?

Der lange Vorlauf war notwendig, um Konsens zu erzielen und eine verlässliche Gesetzesvorlage zu entwickeln, die auch den hohen Anforderungen an die Datensicherheit in Deutschland entspricht. Herausfordernd war, trotz sich ändernder beziehungsweise nicht existierender gesetzlicher Vorgaben, handlungsfähig zu bleiben und sich konsequent an der Ausgestaltung zu beteiligen. Wir haben diese Zeit genutzt, um Erfahrungen zu sammeln und praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. Das kommt uns heute zu Gute, da wir Kunden ganz unterschiedlicher Größe erprobte Lösungen anbieten können.

Peter Hornfischer Geschaeftsfuehrer Thuega SmartService GmbH
Peter Hornfischer, Geschäftsführer der Thüga SmartService GmbH. Foto: Roland Horn Fotografie

Welche Entwicklungen haben Sie denn im Zeitverlauf bei den Stadtwerken beobachten können?

Der Großteil der Stadtwerke ist sich bewusst, dass eine große Aufgabe auf sie zukommt. Preisobergrenzen, komplexe Aufgaben und vielschichtige Prozesse müssen gemeistert werden. Gleichzeitig können es sich Stadtwerke nicht leisten, jedem Hype zu folgen, weil sie nur über begrenzte Kapazitäten verfügen. Sie waren daher anfangs eher zurückhaltend und sind erst aktiv geworden als der Markt ausgereifte Lösungen angeboten hat. Viele haben sich einen strategischen Partner wie die TSG ins Boot geholt.

Welche Rolle spielen Mehrwertdienste im Umfeld des intelligenten Messsystems in den Planungen der Stadtwerke?

Die digitalen Services sind ganz entscheidend bei der Planung des Rollouts und auch für die Wettbewerbsfähigkeit von Stadtwerken. Wer weitsichtig ist, denkt daher heute schon an die Mehrwertdienste, die sich durch die intelligenten Messsysteme ergeben. Mehrwerte ergeben sich beispielsweise durch die Verknüpfung mit IoT-Anwendungen oder durch Visualisierungen von Messwerten im Online-Portal, wodurch Anreize zum Stromsparen geschaffen werden können. Mögliche Geschäftsmodelle sollten sämtliche Kundengruppen einbeziehen – auch die, die nicht vom Pflichteinbau betroffen sind. Beispielsweise haben wir mit den Stadtwerken Energie Jena-Pößneck das bundesweit erste Mieterstromprojekt umgesetzt, das über zertifizierte Smart Meter Gateways berechnet wird. Das Projekt hat sich an Verbrauchsgruppen außerhalb der 6.000 – 100.000 Kilowattstunden gerichtet.

Wie wollen die Stadtwerke, mit denen Sie zusammenarbeiten, beim Rollout strategisch und praktisch vorgehen?

Wir beobachten drei Vorgehensmuster, die sinnvoll erscheinen, um die Pflichteinbauquote von 10 Prozent in den kommenden drei Jahren zu erreichen. Erstens, Umrüstung von Messstellen zu intelligenten Messsystemen, die aufgrund der Eichfrist getauscht werden müssen. Zweitens, der Fokus wird auch im Hinblick auf den prozessualen Aufwand und die Wirtschaftlichkeit zunächst auf die höheren Verbrauchsgruppen gelegt. Drittens, Konzentration auf Gebiete mit guter Mobilfunkverbindung, um eine einwandfreie Erreichbarkeit der intelligenten Messsysteme mit LTE-Kommunikation zu ermöglichen.

Und wie funktioniert es in der Praxis?

Kundenseitiges Feedback zeigt, dass die meisten Stadtwerke sich intensiv mit dem Rollout beschäftigt haben und bereit für die Umsetzung sind. Allerdings geht es jetzt in die Praxis und die konnte vorher nur bedingt getestet werden. Wir stellen fest, dass die Mehrheit unserer Partner die notwendigen komplexen Prozesse in kleineren Stückzahlen erprobt. Das funktioniert durchaus gut. Ein anderes Thema sind neue Geschäftsmodelle. Hier muss sich der Markt erst noch finden und wir gehen davon aus, dass die Smart Meter als Datendrehscheibe vielfältige Möglichkeiten für neue Anwendungsfälle bieten, die aber erst noch im Laufe der Zeit entwickelt werden.

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Peter Hornfischer
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